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Warum meine eigene Selbstinspektion in die Irre führt

Die ewige Suche nach dem Glück ist völliger Humbug. Ich versinke endlos lange in Selbstreflektion auf der Suche nach dem originalen Glück.

In mir – vielleicht in uns allen – gibt es die Vorstellung, dass ich so oder so sein sollte, und ich brauche zu meinem Glück genau dies und das. Es gibt aber keine solchen Konstanten, auf die ich alles zurückführen kann.

Unser Unbewusstes ist weniger wie eine verriegelte Tür, zu der Freud glaubte den Schlüssel zu haben, sondern eher wie eine hermetisch verschlossene Gruft. Ich versuche Fehlleistungen zu deuten. Oder noch schlimmer, deuten zu lassen. Und dabei komme ich keinen Schritt weiter.

Ich muss mich endlich von der Idee lösen, dass es in mir drin ein Original, ein Urbedürfnis gibt. Was ich unbedingt finden will.

Zu hundert Prozent geht das natürlich nicht auf, ich bleibe immer von meiner Vergangenheit geprägt. Aber erst der Verzicht auf ein absolutes inneres Optimum eröffnet mir vielleicht die Möglichkeit für neue Erfahrungen, die nicht immer nur ein Abklatsch von alten Erfahrungen, vom einem vermeintlichen Ideal sind.

Diese ständige Selbstschau und das Kreisen um mich selbst erzeugt in mir ein Grübeln, das jede Selbsteinsicht unterwandert. Dazu zählt das ständige Erinnern an schmerzhafte Ereignisse aus unserer Vergangenheit. Und ich weiß sehr wohl wovon ich spreche.

Dieses Brüten ist im Grunde eine fette Vermeidungsstrategie. Meine Gedanken kreisen – ohne dass ich mich ihnen wirklich stelle. Der Zusammenhang zwischen Grübeln und einem hohen Ausmaß von Stress und Angst ist für mich spürbar.

Wir hätten viel gewonnen, wenn wir uns von dem inzwischen weit verbreiteten Glücksanspruch befreien. Glückssuche ist Stress. Zufriedenheit als Grundstimmung fühlt sich für mich gut an. Ein stilleres Einverständnis mit dem Leben lässt mich auch schwierigere Zeiten besser in meinen Alltag integrieren. Der Mechanismus, mich selbst mit hohen Zielen zu drangsalieren, führt zu permanenter Entwertung, weil ich nie so gut bin, wie mich andere und ich mich selbst gern hätte.

Im Leben gibt diese unendlich tödliche Vorhersehbarkeit. Die letzten vier Jahre meines Lebens sind besser und überraschender gewesen als viele Jahre davor.

Und woran sollte ich mich im Leben orientieren, wenn nicht an der Idee nach der ewigen Suche nach dem Glück? Zum Beispiel an der Vorstellung, dass ich im Hier und Jetzt lebe und das Hier und Jetzt. Gegenwart verändert sich, in dem ich sie mit neuen Gedanken und Erlebnissen überschreibe.

Es gibt viele Formen von erfüllendem Hier und Jetzt, ohne dass ich das originale Glück suchen muss. Weil es das nicht gibt.

Ich muss mich damit zufriedengeben, dass es keine absolute Wahrheit und endgültige Antworten gibt. Und das ist gut so. So bleibe ich offen für die zahlreichen Facetten meiner Gefühle und Gedanken und kann mich an einem reichen Innenleben erfreuen. An dem auch mein Lieblingsmensch seine wahre Freude hat. 😉

Im eigenen Universum die Sonne zu sein, also für sich selbst im Mittelpunkt seines Lebens zu stehen, das ist absolut notwendig. Sich selbst zu genügen.

Anders. Läuft.

 

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