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Warum dann doch alles zur rechten Zeit kommt …

Und so der Blick manchmal hinter die Karosserie des Lebens gelingt. Gestern rauschte eine über 87-jährige Frau in ihrem alten Nissan mit über 50 km/h von hinten auf mein stehendes Auto. Und ich sitzend im selbigen. Genau zwei Tage vor meinem 6. Berlin-Marathon. Läuft …

Ein heftiger Ruck durchschüttelte mich. Und die Wucht ihres Aufpralles schleuderte mich nach vorn und dann sehr kräftig wieder zurück zur Nackenstütze. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Konnte es gar nicht fassen. Wollte ich doch am Sonntag meinen Berlin-Marathon laufen. Ich war nicht schuld. Das änderte nichts daran, was geschah.

Polizei. Natürlich OHNE Krankenwagen. Ich bin ja ein Held.

Autohaus. Telefonate. Terminabsagen. Auto wieder fahrbereit. Tränen.

Nur ich war irgendwie nicht “fahrbereit”. Ich spürte meinen ganzen Oberkörper und fühlte mich auf eine Art hilflos, da ich doch immer alle Entscheidungen selbst treffe. So entschloss ich mich auf Anraten in die Notaufnahme der Parkklinik Weißensee zu fahren. Der Wartebereich war völlig überfüllt. Und ich ahnte es schon. Auf meine Frage hin, hatte ich mindestens 5 Stunden Wartezeit ohne Behandlung in Aussicht. Also ca. 7 Stunden in der Notaufnahme …

Schlagartig wollte ich nichts mehr spüren. Und ging wieder. Was nun, sprach Zeus, die Götter sind besoffen.
Ich traf die Entscheidung jetzt erst mal nichts zu entscheiden. Das kann ich besonders gut. Entschlossen unentschlossen. Und ich freute mich auf den Abend. Auf Wärme, Nähe und Verbundenheit, die nach meinem Empfinden vieles – vielleicht nicht alles – heilen kann.

Und heute morgen fühlte ich mich etwas klarer. Obwohl oder gerade weil ich unruhig schlief. Ich war sehr froh, dass ich “nur” einen latenten Muskelkater im linken Bereich meines Oberkörpers spürte. Dieser entwickelte sich allerdings bis jetzt zu einem fast Ganzkörperkater. Spürbar.

Wenn wir einmal die richtigen Fragen stellen, dann gelingt es uns vielleicht auch in die richtigen Antworten zu kommen.

Was bedeutet dieser Unfall für mich? Bei dem ich nicht ein mal “schuld” war. Welche Prioritäten setze ich gerade? Warum bin ich bereit alles aufs Spiel zu setzen? Setze ich ohne Weitsicht wirklich alles auf eine Karte? Wie viel hängt morgen von meinem Marathonlauf ab, für den ich nicht ausreichend vorbereitet bin?

Steige ich vorher aus, dann erst, wenn wirklich nichts mehr geht. Für wen und WARUM will ich mich morgen auf nahezu 6 Stunden Laufen begeben. Mit allen Risiken, die ich in Gänze noch nicht mal absehen kann. Wem nützt es? Und vor allem, welche Situationen vernebeln mir gerade und direkt den klaren Blick in die Zukunft?

Und nun? Lieber Gott, lass Vernunft vom Himmel regnen. Viel bitte.

Will ich doch am 02.09.2018 auf die halbe Ironman-Distanz gehen.

Und bis dahin? Ich will morgen nach dem Marathon nicht lange pausieren müssen, da mein rechter Fuß zu lange für die Heilung braucht.

Mein Läuferleben geht weiter. Ich will laufen. Ich will trainieren. Ich will mich bewegen. Nicht allein. Mit dem Menschen, der mich bewegt. Auf und mit allen Sinnen. Auch und gerade wenn es stürmisch ist. Weil einfach kann ja jeder.

Und so gelingt mir manchmal – nicht ganz freiwillig – der Blick hinter die Karosserie meines Lebens.

Ich treffe jetzt eine Entscheidung. Ich gehe nicht an den Start. Lange hat es gedauert. Hin und her. Immer wieder. Nein ist das neue Stark.
Martin, Du kannst die Tracking-App jetzt endlich löschen.

Bewegend bleibt es. Und es lohnt sich im Leben zu kämpfen, weil das WARUM klar ist.

Bildschirmfoto 2015-07-06 um 19.26.28

Anders. Läuft …
Danke Brigitte <3

4 Kommentare

    • Liebe Maria, Danke für Deine Worte. Ja, nicht einfach. Aber das kann ja jeder. Und wer will schon bei Regen und 15 Grad laufen. Wo ich doch eine Prinzessin bin. Jetzt ist es so.
      Liebe Grüße
      Astrid

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  1. Liebe Astrid,
    ja, einfach kann jede/r… Aber WARUM musst du mehr können als jede/r?! Sich anzuspornen, zu “challengen”, wie es jetzt heisst, ist ja ok… der Tritt aus der Komfortzone tut manchmal not… aber genauso auch der Verzicht auf Höchstleistungen, auf den “Kick”… es kommt, wie so oft, auf das rechte Mass an… vielleicht hat “das Leben” gedacht, die Astrid braucht mal eine Pause, einen Dämpfer… nicht sooo doll, aber deutlich… Du hast die richtige Entscheidung getroffen, auch wenn sie schwer war… aber einfach kann ja jede/r 🙂

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    • Mein lieber Hans-Jürgen,
      ich bin sicher, es war der Wink mit dem gesamten Zaun. Zur Besinnung, zur Ruhe kommen. Auch gezwungener Maßen. Wenn alles vorher nicht reicht. Keine Zufälle. Klingt komisch, ist aber so. Danke für Deine tollen und großartigen Worte. Ich danke Dir sehr.
      Liebsten Dank
      Astrid

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